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Mein Kommentar zu og. Kerncurricula

Das niedersächische Papier zu den Kerncurricula im Fach Englisch (Sek. II Gymnasium / 2009) - mein Kommentar

Es gibt Texte, sowohl fiktionale wie auch nicht-fiktionale, die man nach einigen Seiten beiseite legt, weil man einfach nicht mehr versteht, worum es sich eigentlich handeln soll. So ist es mir mit dem og. Papier über die Kerncurricula ergangen. Es wäre ja noch zu verkraften, wenn es sich 'nur' um fiktionale Literatur handelte, aber im Gegenteil hier sollen Hunderte von Anglistinnen und Anglisten Rahmenvorschläge und Richtlinien bekommen, wie sie in den nächsten Jahren ihren Unterricht zu gestalten haben. Diesen Anspruch kann dieses Papier keinesfalls erheben. Es verunsichert die Kolleginnen und Kollegen mit seinen schwammigen, unklaren und z.T. nichtssagenden Begriffen und deren Beschreibungen . Mit unklaren und vagen Vorgaben kann kein Lehrer/-in einen didaktisch sinnvollen Unterricht gestalten!

Dieses unselige 'Werk' liest sich wie ein Handbuch für einen VW Manager (nichts gegen VW, ich fahre einen 'Golf'..): es ist die Rede von 'funktionalen' und 'prozessbezogenen Kompetenzbereichen', von 'Sprachproduktion' (als wenn hier etwas hergestellt werden würde..), von 'Arbeitsprozessen' oder von 'Qualitätssicherung' und 'Qualitätsentwicklung'. Begriffe wie 'Vernetzung', 'Globalisierung' oder 'interkulturelle Handlungsfähigkeit' dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Mein Hauptkritikpunkt richtet sich jedoch auf den absoluten Anspruch, den die funktionalen kommunikativen Kompetenzen, die interkulturellen Kompetenzen und die Methodenkompetenzen einnehmen. Es wird suggeriert, dass die genannten Kompetenzen das übergeordnete Ziel des Englischunterrichts seien. Wie diese Kompetenzen mit Hilfe der Punkteskala von 0 bis 15 beurteilt werden sollen, wird natürlich mit keinem Wort erwähnt. Es dürfte auch sehr schwer sein, so etwas zu versuchen. Endlose Diskussionen mit Schülern über die 'richtige' Bewertung wären vorprogrammiert. Die ellenlange Beschreibung (angeblich Definitionen) der Kompetenzen, die nichts anderes als Fertigkeiten sind, umfassen 10mal soviel an Seiten wie der Bereich zum inhaltlichen Wissen (Themenfelder). Dabei handelt es sich bei den Kompetenzen (außer Methoden- und interkuturellen Kompetenzen) um nichts anderes als um die 'alten' basic skills': speaking, listening, reading und writing. Diese hat man früher bei einem Schüler/in der Sek II vorausgesetzt. Jetzt scheinen sie Schwerpunkt des Unterrichts zu werden. Das kann einfach nicht richtig sein! Priorität vor den Kompetenzen muß immer noch der Inhalt sein (Literatur, Landeskunde, Sprache). Ein Schüler/in kann seine Sprachkompetenz erst dann sinvoll einsetzen, wenn er über ein fundiertes inhaltliches Wissen verfügt. Erst dann kann er/sie sinnvolle Beiträge zum Unterricht leisten.

Der Umfang zum Inhalt in dem Papier beträgt gut eine Din A4-Seite. Selbst diese ist so dürftig und schwammig, dass man sich fragen muß, ob anglo-amerikanische Literatur und Landeskunde im Englischunterricht überhaupt noch eine Rolle spielen.

Man kann das niedersächsische Papier zu den Kerncurricula meiner Meinung nach nur mit der Wendung 'viel geredet, nichts gesagt' abtun oder um überhaupt noch mal Shakespeare zu Wort kommen zu lassen: 'much ado about nothing'.

Ich hoffe, dass sich Kolleginnen und Kollegen so etwas vom Kultusministerium nicht bieten lassen und ein sinnvolles und praktikables Kerncurriculum einfordern.
Peter Huuck


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